Heft 9

Musiktheater in der Krise? Positionen zwischen Institution und Ästhetik

Mai 2020

ISSN 2191-253X

Heft 10: Oper_Musik_Theater

Einsendeschluss: 3.8.2020

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Überblickt man grob die Uraufführungen musiktheatraler Werke der letzten Jahre, so erstaunt die Breite an Gattungsbezeichnungen, die einem dabei begegnet. Das sind einerseits recht individuelle Neuschöpfungen wie „An Inquiry of Love“ (Heart Chamber, Chaya Czernowin, 2019), „spatial collage“ (Stasis; Stasis Collage, Rebecca Saunders, 2011/2016) oder „Musicstallation Theatre“ (The Outcast, Olga Neuwirth, 2012). Andererseits trifft man auf den vergleichsweise traditionell anmutenden Begriff „Oper“, so etwa bei M-Eine Stadt sucht einen Mörder (Moritz Eggert, 2019), Morgen und Abend (Georg Friedrich Haas, 2015), Erdbeben. Träume (Toshio Hosokawa, 2018) oder in Kombinationen wie „Opera performance“ (Orlando, Olga Neuwirth 2019) oder „Film Opera“ (Upload, Michel van der Aa, 2021).

Doch was steckt hinter all diesen Begriffen? Was heißt es, heutzutage eine Oper zu komponieren – oder gerade keine? Was kann Oper und was kann Musiktheater im 21. Jahrhundert sein? Welche kompositorisch-künstlerischen Methoden, Strukturen, Formen und Ästhetiken lassen sich beobachten? Wie kann sich dem eine wissenschaftliche Auseinandersetzung nähern? Welche Inhalte und Leitfragen verhandeln diese Kompositionen und was ist ihr Material, was sind ihre Medien? Welche Zusammenhänge oder Tendenzen lassen sich im Überblick als Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen ästhetischen Ausdrucksformen möglicherweise beobachten?


Über zehn Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem das fimt der Frage „Musiktheater – Quo Vadis?” eine Ringvorlesung und einen Sammelband gewidmet hat. Angesichts dessen erscheint es an der Zeit, die Frage erneut zu stellen. Die neue Ausgabe von ACT zeitschrift für musik & performance möchte daher ein Forum bieten, Tendenzen der zeitgenössischen Oper und des Musiktheaters zu reflektieren. Anliegen des Heftes ist es, einen Beitrag zu aktuellen Diskursen, Methoden und ästhetischen Gegenständen der Opera Studies und der Musiktheaterwissenschaft zu leisten.


Mögliche Fragestellungen und thematische Schwerpunkte von Einzel- oder vergleichenden Studien könnten sein:

  • Begriffe und Konzepte: Welche ästhetischen, kompositorischen oder institutionellen Zusammenhänge lassen sich beobachten zwischen den (individuellen) Genrebezeichnungen und ihren Kompositionen? Wie lassen sich Werke analysieren, die an den Schnittstellen zu Performance, Installation oder Film agieren und daher eventuell eine Tendenz zu hybriden Formen wie „Video-Oper“, „3D-Oper“, „spatial performance“ oder dergleichen aufweisen? Wie verhalten sich Oper und Musiktheater zueinander – ästhetisch, kompositorisch, diskursiv?
  • Historische Dimension: Wie entwickelte sich die Kunstform vom 17. bis zum 21. Jahrhundert einschließlich der Spielarten des experimentellen Musiktheaters, des postdramatischen Theaters oder des Composed Theatre, etwa durch Zitate oder durch die Verwendung historischer Formen und Strukturen oder dergleichen?
  • Inhalt und Form: Welche Stoffe werden verhandelt und wie werden diese (musik)dramaturgisch aufbereitet? Wie ist das Verhältnis zu gesellschaftlich aktuellen Themen? (Wie) Wird erzählt? Wie verhalten sich Inhalt und Form zueinander?
  • Medialität und medienästhetische Fragestellungen: Welche Wechselwirkungen zwischen musiktheatralen Formen im weitesten Sinne und den (Neuen) Medien lassen sich in Form, Material und Ästhetik beobachten? Welche Konsequenzen in Bezug auf die Gestaltung von Zeit und Raum etc. ließen sich dabei beschreiben?
  • Wirkungsästhetik und Wahrnehmung: Welche Rolle kommt den Rezipient*innen zu? Inwiefern werden Wahrnehmungsweisen mitkomponiert und welche Rolle spielen dabei etwa Raumkonzepte wie atmosphärische Erfahrungsräume, Klang- oder Bildräume oder der Einbezug von Verfahren installativer und immersiver Formate aus Performancekunst oder Virtual Reality?


Die Zeitschrift lädt alle Autor*innen, die sich von dem Thema angesprochen fühlen, herzlich ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Erbeten werden zunächst Abstracts (max. 1800 Zeichen inkl. Leerzeichen), aus denen Forschungsfrage, Methodik und Quellen klar hervorgehen. Diese sind bis 3. August 2020 einzusenden. Die Abstracts werden in einem anonymisierten Peer-Review-Verfahren geprüft. Redaktionell unterstützte Sprachen sind Deutsch und Englisch. Zudem ist ACT multimedial angelegt, was es ermöglicht, bei Bedarf audiovisuelle Medien ebenfalls einzubinden. Die vollständigen Beiträge, einzureichen bis 15. Dezember 2020 sollten den Umfang von 45000 Zeichen inkl. Leerzeichen nicht überschreiten.


Bitte senden Sie Ihre Texte per Mail an elisabeth.vantreeck@rub.de und sid.wolterstiedge@uni-bayreuth.de