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Heft 9

Titel fehlt

Januar 2020

ISSN 2191-253X

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Musikalische Flashmobs – Funktioniert der öffentliche Raum noch als Bühne?

von Clara-Franziska Petry

Zusammenfassung.

Dieser Aufsatz diskutiert die Krise des fehlenden Nachwuchspublikums in der klassischen Musik, insbesondere dem Musiktheater, und bietet einen Überblick über Projekte außerhalb des Stadt- und Staatstheaters. Ausgehend von Open-Air-Konzerten sollen musikalische Flashmobs vorgestellt werden, deren Ziel es ist, Passanten rein zufällig anzusprechen. Die Untersuchung des Repertoires wird eine Kanonbildung sichtbar machen, die mit akustischen Vorteilen beim Bespielen des öffentlichen Raumes zusammenhängt. Arien aus der Oper La Traviata oder Ravels Bolero verfügen zum Beispiel über besonders wirksame Einsätze, die schnell die Aufmerksamkeit von Menschenmassen erlangen. Nach einer historischen Einordung des Flashmobs als Phänomen digitaler Mobilisierung soll seine heutige Krise im Zusammenhang mit seiner Kommerzialisierung diskutiert und die Aufführungssituation mit der ursprünglichen Idee des Flashmobs verglichen werden. Durch die Ankündigung des Flashmobs gibt es keine unvorbereiteten Passanten mehr, sondern Zuschauer, die mit der Handykamera den angekündigten Moment erwarten. Der Begriff des Flashmobs scheint bereits überholt, das Konzept dahinter bleibt dennoch als Strategie, fehlendes Publikum im städtischen Alltag zu suchen. Während der Flashmob Hauptbahnhöfe wählt, um möglichst viele Passanten zu erreichen, wird bei Projekten wie Oper für Obdachlose, La Bohème im Hochhaus oder Eichbaum Oper der Bahnhof zum Passagenraum für kulturelle und soziale Diversität. Der Aufsatz diskutiert Vor- und Nachteile solcher Projekte und rückt dabei sowohl interkulturelle Publikumsentwicklungen in den Vordergrund, als auch Inszenierungsstrategien von Youtube-Videos, an dessen Rezipienten sich Flashmobs maßgeblich richten.

Abstract

Musical Flashmobs – does Public Space still works as a stage?

This essay discusses the crisis of the lack of young audiences in classical music, especially music theatre, and provides an overview of projects outside the municipal and state theatres. Based on open-air concerts, musical flashmobs will be presented, the aim of which is to address passers-by purely by chance. The investigation of the repertoire will reveal a canon formation that is connected with acoustic advantages when playing in public space. Arias from the opera La Traviata or Ravel's Bolero, for example, are particularly effective in quickly attracting the attention of crowds. After a historical classification of the flashmob as a phenomenon of digital mobilization, its current crisis will be discussed in connection with its commercialization and the performance situation will be compared with the original idea of the flash mob. With the announcement of flashmob, there are no more unprepared passers-by, but spectators who expect the announced moment with the mobile phone camera. The concept of flashmob already seems outdated, but the concept behind it remains a strategy of searching for missing audiences in everyday urban life. While the flashmob chooses main stations to reach as many passers-by as possible, projects such as the Opera for the Homeless, La Bohème in a Skyscraper or Eichbaum Opera turn the station into a passage for cultural and social diversity. The essay discusses the advantages and disadvantages of such projects and focuses on intercultural audience developments as well as on the staging strategies of Youtube videos, the recipients of which are addressed by flashmobs.